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Mouataz Alshaltouh /

Mouataz Alshaltouh / 26

Mouataz Alshaltouh wird in Rakka als Sohn eines Großhändlers und einer Landwirtin geboren. Mit neun Jahren nimmt er an den ersten Lyrikwettbewerben teil und verfolgt dieses Talent über seine Kindheit und Jugend. Mit 17 Jahren flieht er aus dem kriegszerrütteten Syrien über das Mittelmeer und begibt sich auf eine lebensverändernde Odyssee, die ihn nach Hamburg führt. Nach Aufenthalten in unterschiedlichen Kinderheimen besucht er erstmals eine reguläre Schule in Deutschland. Eine Lehrerin erkennt sein einzigartiges Talent und ermutigt ihn, den Beruf des Schauspielers zu ergreifen. Anfängliche schauspielerische Versuche macht er im Jugendclub des Ernst Deutsch Theaters in Hamburg. Schon bei seinen ersten Auftritten spürt Mouataz Alshaltouh, dass dies sein Mittel für einen eigenen künstlerischen Ausdruck ist. Er bewirbt sich an den staatlichen Schauspielschulen und wird an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin angenommen. Seine Mentorinnen während der Ausbildung, Nora Leschkowitz und Susanne Wätzel, erkennen und fördern seine besondere Sensibilität und Intuition in der Darstellung von menschlichen Motiven. Seine für sein Alter herausfordernden Lebenserfahrungen sind die Grundlage für eine humorvolle Empathie. Dieses besondere Einfühlungsvermögen und das ihm eigene feingliedrige Spiel, mit denen er seine Rollen nuanciert darstellt, überzeugen sowohl das Publikum als auch das Feuilleton. Das Fachportal Nachtkritik schreibt: 'Ein tolles Zentrum gibt Mouataz Alshaltouh. Er reagiert auf seine widrigen Umstände mit feinem Humor und melancholischer Weisheit.'

Für Mouataz Alshaltouh ist Kunst ein künstlicher Raum, in dem wir uns außerhalb der gesellschaftlichen Konventionen erleben können. In diesem geschützten Umfeld ermöglicht Kunst das Ausprobieren von Dingen, die sich das Publikum im realen Leben nicht erlaubt oder traut. Dabei nimmt er seine Rolle als Stellvertreter der Zuschauenden sehr verantwortungsvoll wahr. Er nutzt diese Position, um Grenzen zu überschreiten und neue Perspektiven zu eröffnen. So wird Kunst für ihn zu einem Mittel, das ihm Freiheit gewährt und gleichzeitig dem Zuschauenden Freiheit ermöglicht. Seit Beginn seiner Laufbahn sucht er nach dem Eigenartigen, dem Subtilen der Figuren. Immer sieht er sich dazu angehalten, das Positive, aber auch das Negative von menschlichem Verhalten ganzheitlich zu umfassen, um komplexe Gegen- und Abbilder der Charaktere zu erstellen. Durch seine differenzierte Herangehensweise gelingt es ihm, Figuren zu gestalten, die nicht nur zutiefst menschlich sind, sondern auch die Widersprüche des menschlichen Seins widerspiegeln. Dabei arbeitet er von Anfang an mit Regisseurinnen und Regisseuren, die die herkömmlichen Grenzen überschreiten und so das Theater der Gegenwart prägen - darunter Julia Wissert, Pinar Karabulut oder Rafael Sanchez. Mouataz Alshaltouhs anspruchsvolle Darstellungen sowie seine sensible Präsenz machen ihn neben seinen Rollen am Theater auch zu einem herausragenden Filmschauspieler seiner Generation. Seine komplexen, feinen und vielfältigen schauspielerischen Möglichkeiten werden von Regisseurinnen und Regisseuren wie Laura Lackmann, Mahdi Fleifel, Philipp Kadelbach, Robert Schwentke und Simon Verhoeven geschätzt und immer wieder eingesetzt.

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